Die Vögel zwitschern, die ersten Pflanzen blühen – der Frühling kündigt sich an. Für viele heißt das: raus an die frische Luft und Bewegung tanken. Wie unsere OHA Athleten Moritz auf der Heide und Lukas Pöstlberger den Frühling sportlich angehen, erzählen sie hier im Interview.
Jungs, das erste Training nach langer Pause. Nimmt man sich eh am besten gleich den höchsten Berg oder die längste Ausfahrt als Ziel vor?
Moritz:
Klar, am besten gleich all-out an den Berg und schauen, was vom Vorjahr noch an Power übrig geblieben ist. … Nein, natürlich nicht. Gerade im Frühling lohnt sich eine kurze Übergangsphase. Idealerweise steigert man über zwei bis vier Wochen langsam wieder das Laufvolumen. So gibt man Muskeln, Sehnen und Bändern die nötige Zeit, sich wieder an die Belastung zu gewöhnen.
Wenn man im Winter zum Beispiel vor allem auf Skiern unterwegs war, ist die Grundausdauer oft noch gut vorhanden. Durch die fehlende Stoßbelastung ist der Körper aber nicht automatisch bereit für lange Läufe oder Downhills zu Fuß. Am besten startet man mit ein bis zwei kurzen Einheiten und steigert sich dann Schritt für Schritt. Abwechslung ist dabei ganz wichtig. Nach ungefähr einem Monat ist man im Normalfall wieder gut akklimatisiert und kann mit den Laufschuhen wieder richtig Gas geben.
Pösti:
Ich habe schon viel ausprobiert: ganz locker starten und langsam steigern, so tun, als hätte es gar keine Pause gegeben, oder direkt mit sechs Stunden und Zug auf der Kette loslegen. Das Fazit: Der Anfang ist eigentlich nie wirklich angenehm.
Wichtig ist vor allem, wieder routinemäßig zu arbeiten. Wenn man einmal ein paar Einheiten gesammelt hat, kommt der Flow meistens ziemlich schnell zurück. Also lieber nicht gleich übertreiben, sondern sauber reinfinden.
Und danach gleich an Burger und a Bier oder?
Moritz:
Ich sehe schon, wo die Reise hingeht. ;) Natürlich ist Genuss wichtig – auch für mich. Direkt nach einer Einheit, vor allem wenn sie lang oder intensiv war, sollte man dem Körper aber zuerst etwas Sinnvolles geben. Das heißt: ausreichend Wasser oder isotonische Getränke trinken und idealerweise innerhalb der ersten 20 Minuten eine kleine Mahlzeit mit Proteinen und Kohlenhydraten essen. Zum Beispiel eine Scheibe Körnerbrot mit Mozzarella und Pesto.
Danach darf es natürlich auch eine größere Mahlzeit sein. Und wenn zwei bis drei Stunden später ein Bier auf dem Tisch steht, hat das absolut keinen negativen Aspekt. Wichtig ist nur, dass man es nicht übertreibt. Wenn nach dem Longrun gleich der Sixpack geleert wird, bringt das beste Essen nichts mehr. Und was Burger angeht: Die müssen ja nicht schlecht sein. Solange die Qualität stimmt, ist eigentlich fast alles erlaubt. Ein Burger vom Feinkostladen um die Ecke ist eben etwas ganz anderes als Fast Food. Ich halte es bei allen Lebensmitteln so: Es gibt für mich keine absoluten No-Gos, solange die Qualität passt.
Pösti:
Ehrlich gesagt denke ich oft schon während dem Training an das wohlverdiente Feierabendbier – OHA alkoholfrei natürlich. 😜
Immer die gleiche Strecke ist auf Dauer auch langweilig. Wie sucht ihr neue Wege und Ziele?
Moritz:
Ich muss gestehen, dass ich in dem Punkt schon ein bisschen abgestumpft bin. :D Manchmal sind die Trainingsumfänge so fordernd, dass ich froh bin, auf bekannten Strecken unterwegs zu sein. Dann kann man den Kopf leichter ausschalten, in den Überlebensmodus wechseln und einfach Kilometer sammeln.
Aber natürlich gibt es auch bei mir Genusseinheiten mit Freunden, bei denen neue Routen absolute Priorität haben. Inspiration gibt es heutzutage über Social Media mehr als genug. Ich hole mir viele Ideen von meinen Salomon-Teamkollegen, die ich entweder direkt anschreibe oder auf Instagram und Strava verfolge. Das kann eine FKT-Route sein, eine Höhenmeter-Challenge oder einfach nur ein Bild, das genug Motivation für die nächste harte Einheit liefert. Zusätzlich finde ich viel Inspiration und Unterstützung über meine Coros GPS-Uhr.
Pösti:
Mit dem Gravel Bike kann man unglaublich viel erkunden. Das eröffnet bei der Routenplanung ganz neue Möglichkeiten. Klar, ein bisschen Adventure ist oft dabei – es kann schon passieren, dass man im April irgendwo plötzlich in einem Schneefeld landet. Aber genau das macht es auch spannend.
Und was muss immer mit dabei sein, euer Must-have während des Trainings sozusagen?
Moritz:
Auf mein Equipment bezogen ist das schwer auf einen Punkt zu reduzieren, weil es gleich mehrere Must-haves gibt. Wenn ich mich auf vier Dinge beschränken müsste, wären das: meine GPS-Uhr mit Kartenmaterial, eine Rettungsdecke für den Notfall, ein Trailrucksack – ich laufe aktuell mit dem Salomon S/Lab Ultra 12 – und natürlich gute Trailschuhe, bei mir derzeit der Salomon S/Lab Pulsar 4.
Auch die Ernährung spielt bei langen Einheiten eine große Rolle. Ich rechne ungefähr mit 300 kcal pro Stunde und nehme dementsprechend Gels oder Riegel mit. Für Genusstouren am Wochenende – vor allem im Winter auf Ski – darf dann manchmal auch ein Mountain Pale Ale von Bierol nicht fehlen. So viel Platz im Rucksack ist immer. ;)
Pösti:
Luftpumpe und Reserveschlauch – absolutes Must-have. Die Mama kann dich schließlich nicht mit dem Auto von der Nordkette abholen.
Wie kann man den inneren Schweinehund am besten überwinden? Was sind eure Tricks?
Moritz:
Das ist tatsächlich eine Frage, die mir oft gestellt wird. Die mit Abstand größte Hilfe ist es, eine Routine zu entwickeln. Ich frage mich mittlerweile nicht mehr, ob ich heute Sport mache, sondern nur noch wann. Ähnlich wie beim Zähneputzen. Bis so eine Routine wirklich sitzt, kann es allerdings dauern – manchmal bis zu einem halben Jahr.
Ein zweiter Trick ist, einfach schon mal die Sportkleidung anzuziehen, ohne sich sofort Druck zu machen. Wenn man einmal startklar ist, fällt der erste Schritt nach draußen plötzlich viel leichter.
Pösti:
Die Frage ist immer, wo man hinwill. Ziele helfen enorm. Und noch besser ist es, eine soziale Komponente einzubauen – in der Gruppe macht es oft einfach mehr Spaß. Gemeinsam fällt es deutlich leichter, den Schweinehund zu überwinden.
Was empfehlt ihr jemandem, der sich noch nie in die Laufschuhe oder auf den Sattel gewagt hat? Wie verliert man nicht gleich wieder den Mut?
Moritz:
Das A und O sind positive Erfahrungen. Und wie bekommt man die? Indem man sich realistische Ziele setzt, gutes Material verwendet, Zeit mit Freunden beim Sport verbringt und sich auch mal belohnt.
Also: Investiert in vernünftige Schuhe oder in eure Grundausstattung, verabredet euch mit Gleichgesinnten, nehmt euch zuerst nur eine kleine Runde im Wald vor statt gleich den großen Berg – und gönnt euch am Abend ruhig ein gutes Bier. So bleibt die Motivation viel eher erhalten.
Pösti:
Etwas Neues auszuprobieren, ist oft eine Herausforderung. Aber meistens merkt man ziemlich schnell, ob es einem taugt. Wichtig ist, am Anfang dranzubleiben und die kleinen Fortschritte bewusst zu feiern – genau das motiviert und nimmt den Druck raus.
Was sind eure Ziele für 2026?
Moritz:
Es gibt eigentlich immer zwei Listen mit Zielen für Profiläufer. Zum einen die realistische Liste, die man mit der Außenwelt teilt – also jene, die weder hochnäsig noch überambitioniert wirkt. Und dann gibt es noch die andere, leicht träumerische Liste. Die kommuniziert man meistens nicht nach außen, weil sie schnell eingebildet wirken könnte. Für die tägliche Motivation ist sie aber unglaublich wertvoll.
Meine realistischen Ziele sind ein Podiumsplatz im Mai beim Innsbruck Alpine Trailfestival sowie Top-Platzierungen beim Zugspitz Ultra Trail und beim Mozart 100 by UTMB. Die zweite Liste müsst ihr euch selbst dazu denken. ;)
Pösti:
Das große Ziel wartet gleich im April mit der Gravel World Series am Wörthersee. Aber dieses Jahr stehen auch noch ganz spektakuläre Rennen an – besonders die Weltmeisterschaften in Australien, auf die ich richtig heiß bin.
Instagram Moritz: @run.travel.grow
Instagram Pösti: @lukas_poestlberger