Moritz, das erste Lauftraining nach langer Pause. Nimmt man sich eh am besten gleich den höchsten Berg als Ziel vor, oder?
Korrekt. Am besten erstmal All-Out an den Berg und schauen, was vom Vorjahr noch an Power übriggeblieben ist. ..nein. Natürlich nicht. Im Frühling lohnt sich eine Art Übergangsphase. Sprich, wir steigern über einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen wieder langsam unser Laufvolumen. Damit geben wir Muskeln und vor allem Sehnen/Bänder Zeit, sich anzupassen. Haben wir im Winter bspw. nur auf Skiern trainiert, ist die Ausdauer wahrscheinlich identisch geblieben, aufgrund der fehlenden Stoßbelastung mit Tourenski sind wir allerdings nicht mehr für einen langen Downhill zu Fuß vorbereitet. Am besten man integriert zunächst 1-2 kurze Läufe und fährt dann langsam hoch. Abwechslung ist dabei alles. Nach etwa einem Monat solltet ihr im Normalfall komplett „akklimatisiert“ sein und könnt wieder richtig Gas mit Laufschuhen geben.
Und danach gleich an Burger und a Bier oder?
Ich sehe schon, wo die Reise hingeht! ;) Natürlich ist Genuss wichtig, auch für mich. Direkt nach einer Einheit, vor allem, wenn sie entweder sehr lang oder intensiv war, sollte man dem Körper allerdings sinnvolle Sachen zufügen. Das bedeutet, dass wir zunächst viel Wasser und isotonische Getränke trinken sollten. Innerhalb der ersten 20 Minuten nach der Belastung macht zudem eine kleine Mahlzeit mit Proteinen und Kohlenhydraten (bspw. eine Scheibe Körnerbrot mit Mozzarella und Pesto) für die aktive Regeneration Sinn. Anschließend darf es auch eine größere Mahlzeit sein und wenn 2-3 Stunden später ein Bier auf dem Tisch steht, hat das absolut keinen negativen Aspekt. Wichtig ist nur, dass wir nicht übertreiben. Wird der Sixpack nach einem Longrun geleert, bringt uns gesundes Essen auch nicht weiter. Apropos gesundes Essen. Burger müssen ja nicht schlecht sein. Solange wir Wert auf Qualität legen, ist eigentlich alles erlaubt. McDonalds steht bekannter Weise in einem krassen Kontrast zum Genuss-Burger vom Feinkostladen um die Ecke. So halte ich es mit allen Lebensmitteln. NO-GOs gibt es bei mir nicht, solange die Qualität stimmt.
Immer die gleiche Strecke ist auf Dauer auch langweilig. Wie suchst du neue Wege und Ziele?
Ich muss gestehen, dass ich diesbezüglich etwas abgestumpft bin. :D Manchmal sind allein die Trainingsumfänge so fordernd, dass ich froh bin, auf einer bekannten Strecke unterwegs zu sein. Dann lässt sich der Kopf leichter ausschalten, in den Überlebensmodus wechseln und einfach Kilometer spulen. Aber natürlich habe auch ich meine Genusseinheiten, die ich mit Freunden unternehme, wo neue Routen absolute Priorität haben. Inspiration gibt es in Zeiten von Social Media mehr als genug. Ich persönlich hole mir viele Ideen von meinen Salomon Teamkollegen, die ich entweder persönlich anschreibe oder bei instagram und Strava verfolge. Das kann mal eine FKT-Route (Fastest Known Time) sein oder eine Höhenmeter-Challenge. Oft genügen auch nur die geposteten Bilder von anderen, dass ich genug Motivation für eine harte Einheit habe. Inspiration und Hilfe finde ich zudem über meine Coros GPS-Uhr.
Und was muss immer mit dabei sein, dein Must-have während des Trainings sozusagen?
Auf mein Equipment bezogen ist das schwer zu sagen, da es einige Must-Haves gibt. Ich beschränke mich mal auf vier verschiedene. Das wären die eben genannte GPS-Uhr mit Kartenmaterial, eine Rettungsdecke für den Notfall, ein Trailrucksack, ich laufe da mit dem Salomon S/Lab Ultra 12 und ein paar Top Trailschuhe, wo ich auf den Salomon S/Lab Pulsar 4 setze. Da auch die Ernährung bei langen Einheiten sehr wichtig ist, rechne ich pro Stunde in etwa mit 300 Kcal und packe dementsprechend Gels/Riegel ein. Für meine Genusstouren am Wochenende, insbesondere auf Ski im Winter, darf das Mountain Pale Ale von Bierol nicht fehlen. So viel Platz im Rucksack habe ich immer. ;)
Wie kann man den inneren Schweinehund am besten überwinden. Was sind deine Tricks?
Dazu werde ich in der Tat öfter gefragt. Die mit Abstand größte Hilfe ist es, eine Routine zu entwickeln. Ich stelle mir mittlerweile nicht mehr die Frage, ob ich heute Sport mache, sondern wann. Ähnlich wie Zähne putzen. Es kann allerdings dauern, bis eine Routine wirklich etabliert ist, sodass man sie nicht mehr in Frage stellt. Teils bis zu einem halben Jahr. Ein zweiter Trick ist das Anziehen der Sportklamotten, ohne direkt vor die Tür zu gehen. Ist man einmal startklar, fällt es kurze Zeit später deutlich leichter.
Was empfiehlt du jemandem, der sich noch nie in die Laufschuhe gewagt hat? Wie verliert man nicht gleich wieder den Mut?
Das A und O sind positive Erfahrungen. Und wie kriegen wir die? Indem wir uns realistische Ziele setzen, gutes Material haben, Zeit mit Freunden während des Sports verbringen und uns auch mal belohnen. Investiert also ein oder zwei Euro in Schuhe, Laufrucksack etc., verabredet euch mit Gleichgesinnten, nehmt euch zunächst nur die kleine Runde im Wald vor, anstatt den großen Berg, und gönnt euch am Abend ein leckeres Bier!
Was sind deine Ziele für 2026?
Es gibt immer zwei Listen mit Zielen für Profiläufer. Zum einen die realistische, die man mit der Außenwelt teilt. Eine, die weder hochnäsig, noch überambitioniert wirkt. Und dann gibt es die andere, die leicht träumerische Liste. Diese, nach außen eher eingebildet scheinend, wird deswegen eher nicht kommuniziert. Aber sie hilft einem extrem bei der täglichen Motivation. Und so lange sie noch einen Funken Realität enthält und im Bestfall umzusetzen ist, kann sie sinnvoll sein. Meine realistischen Ziele beinhalten einen Podiumsplatz im Mai beim Innsbruck Alpine Trailfestival, Top Platzierungen beim Zugspitz Ultra Trail sowie beim Mozart 100 bei UTMB. Die zweite Liste müsst ihr euch jetzt selbst überlegen. ;)
Instagram von Mortiz: @run.travel.grow
Bildrechte: Salomon/Jan Lefert